Deutsche und Franzosen erinnern sich gemeinsam

Die Träger des Projekts "Historial auf dem Hartmannswillerkopf" bei der Unterzeichnung ihres finanziellen Engagements.
Foto: Eurojournalist(e)

Mit dem fast fertiggestellten „Historial“ auf dem Hartmannswillerkopf im Oberelsass erinnern sich Deutsche und Franzosen gemeinsam des Grauens des I. Weltkriegs. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

(KL) – Als am 3. August 2014 die beiden Präsidenten François Hollande und Joachim Gauck den Grundstein für das „Historial“ auf dem „Menschenfresser“ genannten Hartmannswillerkopf im Oberelsass legten, konnte sich (außer den Projektträgern…) noch niemand so richtig vorstellen, was genau hier entstehen sollte. Heute, kurz vor der Eröffnung des „Historials“ (am 3. August 2017), sieht es schon ganz anders aus. Das Gebäude ist fast fertig, das Museumskonzept steht und gehört zu den modernsten Dingen, die man sich heute in der Gedächtnisarbeit vorstellen kann, technisch anspruchsvoll, unaufdringlich, pädagogisch ohne oberlehrerhaft zu sein – man könnte das Gefühl bekommen, dass die Gedächtnisarbeit in ein neues Zeitalter eintritt.

Die beiden Präsidenten hatten es bei der Grundsteinlegung gesagt – das „Historial“ auf dem Hartmannswillerkopf, Schauplatz einer mörderischen Grabenschlacht, in der 30 000 junge Menschen ihr Leben ließen, soll eine Gedächtnisstätte werden, an denen ein deutsch-französisches und damit europäisches Erinnern möglich sein soll. Und diesen hohen Anspruch werden die Träger dieses Projekt erfüllen. Am Montag trafen sie sich in Wattwiller am Fuß dieses wunderschönen und mit so viel Geschichte beladenen Bergs und unterzeichneten die Finanzierungsverträge.

4,8 Millionen Euro kostet das „Historial“, das jährlich rund 70 000 Besucher haben soll – finanziert wird es von öffentlichen und privaten Stellen in Frankreich und Deutschland, wobei kritisch angemerkt sei, dass der deutsche Beitrag zu diesem Projekt finanziell eher bescheiden ist. Man hätte sich gewünscht, dass sich die deutsche Seite etwas großzügiger bei diesem Projekt zeigt, bei dem es darum geht, ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte aufzuarbeiten und eine gemeinsame deutsch-französische Gedächtnisarbeit über die Grenzen hinweg zu starten. Aber sei’s drum…

Das „Historial“, mit einem hoch modernen pädagogischen Konzept, richtet sich an junge Menschen, für die der I. Weltkrieg nicht mehr als ein paar Seiten mit Schwarzweiß-Fotos im Geschichtsbuch ist – hier, auf dem Hartmannswillerkopf, wird dieses schwarze Kapitel der Geschichte greif- und erlebbar, ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit allen modernen technischen Möglichkeiten. Das moderne Gebäude komplettiert das würdige Monument, den Soldatenfriedhof und die bedrückende Krypta, in der die Gebeine von 12000 Soldaten ruhen, die nach dem I. Weltkrieg nicht identifiziert werden konnten.

Dort, wo deutsche und französische Soldaten gemeinsam ruhen, ist der richtige Ort, an dem sich die Lebenden gemeinsam an den Wahnsinn erinnern, der dazu geführt hat, dass sich junge Deutsche und Franzosen gegenseitig umbringen. Natürlich schwebt über dem ganzen Berg der Aufschrei „nie wieder so etwas“ – und gerade in den heutigen Zeiten, in denen ein hässlicher, neuer Nationalismus eine Renaissance erlebt, ist dieses gemeinsame Erinnern doppelt wichtig.

Die Eröffnung ist für den 3. August geplant und ab diesem Tag wird die Region wieder ein Stückchen reicher sein – mit einem deutsch-französischen Ort des Erinnerns und des festen Willens, dass nie wieder etwas Vergleichbares zwischen beiden Ländern passieren darf.

La signature sous un budget de 4,8 millions d’euros… Foto: Eurojournalist(e)

 

Der Grundriss des neuen “Historials”. Foto: Eurojournalist(e)

 

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